Nichts geht mehr. Also alles normal.

Rapsfeld im Mai

Montagmorgen und das Smartphone steigt aus. Nichts geht mehr. Könnte einem ja eigentlich egal sein. Es ist ja nur Montag. MONTAG! Nein, das kann mir eben nicht egal sein. Schließlich nutze ich mein Smartphone im Flugmodus als Wecker!

Zum Glück verfüge ich noch über den inneren Wecker, der mich dann heute irgendwie hat stutzig werden lassen. Mit einem geöffneten Auge, in dem anderen befand sich zu diesem Zeitpunkt noch ein Kinderfuss, stellte ich heute morgen fest, dass die Sonne zu hoch steht und irgendetwas faul ist. Richtig, mein Mann ist nicht da, ich wollte 6:00 Uhr aufstehen um mein Workout ganz in Ruhe abzuturnen. Nach einer Dusche wollte ich dann entspannt die Kinder wecken, mit zwei gut gelaunten Boys (selbstverständlich bereits angezogenen und in Sonnenschutzcreme gebadet) Frühstücken und dann mit geputzten Zähnen ganz pünktlich und entspannt Richtung Kindergarten loszufahren.

Pustekuchen! Das gibt es nur in Hollywoodfilmen und erst recht nicht, wenn das iPhone streikt. Keine Taste reagierte, kein Ladekabel brachte den Apfel zum Vorschein, es blieb einfach schwarz. Ein schwarzer Bildschirm und die Zeit rannte.

Bis 10 zählen und durchatmen.

Also gut. Ich habe dieses tolle neue rosane SE iPhone erst einmal zur Seite gelegt, aber das Kopfkino blieb! Wo ist die Rechnung? Wie läuft das mit der Reklamation? Wann habe ich das letzte Update gemacht? Wann habe ich heute Zeit in diesen doofen Handyladen zu fahren? Wen darf ich dort anschreien? Wird schon irgendwie. Dann nehme ich erst einmal das alte Phone. Ups, Akku alle. Wo ist das Ladekabel? NEIN  – irgendwo in Frankreich mit dem Mann auf Dienstreise. Na Prima. Zurück zur Uhr. Es ist zu spät, zu spät für fast alles! Das Workout, auf den Abend verschoben, die Dusche… ich habe ein gutes Deo. Die Kinder! Lass sie bloss nicht merken, dass du etwas im Stress bist!

Da liegen sie wie die Engelchen, warm wie Brötchen im Mama-Papa-Bett. Habe ich da heute Nacht wirklich noch irgendwo Platz gehabt? Sie strecken und recken sich und wollen nichts außer einen Knuddel – emotionale Erpressung um länger im Bett bleiben zu können. Das dauert aber, weil so ein Knuddel lässt sich nicht einfach so abknuddeln. Das bringt auch mein Mama-Herz nicht über die Bühne. Doch irgendwann hatte ich die zwei dann aus dem Bett geknuddelt und gekitzelt. Das nächste Level war also in Sicht. Anziehen und in Vorbereitung auf den Kindergarten schon mal mit Sonnenmilch eincremen.

Uagghhh…mit all meinen Ablenkungsmanövern und Überzeugungskräften habe ich es tatsächlich geschafft, dass unsere zwei modebedachten Boys, die von mir vorgeschlagene Kollektion angezogen haben, die Sonnencremeorgie zuließen und nach einer ganz moderaten Zeit am Frühstückstisch sassen.

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Zeit eh schon für alles zu knapp war. Das beste Argument, heute ganz schnell in den Kindergarten zu müssen, war zum Glück schnell gefunden.

„Ihr müsst doch euren Freunden erzählen, dass RB-Leipzig in die erste Fussball-Bundesliga aufgestiegen ist“. Ab da lief dann alles, außer mein Smartphone. Was aber zu diesem Zeitpunkt zum Glück auch schon wieder völlig egal war. Ich habe die Kinder genossen, zum 100sten Mal versucht zu erklären warum Lionel Messi nicht in Leipzig spielt und was der Unterschied zwischen WM, EM, Bundesliga etc. ist. Ich habe verrückte Geburtstagswünsche entgegengenommen und verkündet, dass wir jetzt einen Kuchen haben, den wir jeden Tag füttern müssen. Und bei all diesen lustigen Gesprächen habe ich vergessen meinen frisch gebrühten Kaffee zu trinken.

Illustration RB Leipzig zum Aufstieg Schoenherum

Ein ganz normal chaotischer Morgen, eben nur ohne Telefon. Und was war anders? Nichts, außer dass der äußere Wecker nicht geklingelt hat und das Telefon aus war. Der Rest war eigentlich wie immer. Alles theoretisch geplant, praktisch unplanbar, im Morgenmodus etwas unter Zeitdruck und am Ende dann doch noch pünktlich.

Zurück aus dem Kindergarten habe ich mir einen frischen Kaffee gebrüht, tief durchgeatmet und innerhalb von 2 Minuten das tote iPhone zum Leben erweckt. Noch einmal tief durchgeatmet, das tolle Wochenende Revue passieren lassen – Traumwetter, Balkon, Entspannung, Park, Familie, Rapsfeld, Sonne pur, Muttertag, Glück – und los ging die zweite Schicht.

Mein Wort zum Montag:

Lass das Leben zu, geniesse den Tag und mach Probleme nicht zu Problemen, wenn sie keine sind!

Blauer Himmel Schoenherum

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